Hofbericht

Mein Fondlihof – Petrolblau, Kunst und la pomme de Schneewittchen

Tese freut sich am ortoloco-Gemüse, erntet Resi-Äpfel und entdeckt eine Outdoor-Ausstellung auf dem Fondlihof. Und heute gibt es auch schön viel Französisch!

Mein Fondlihof – Petrolblau, Kunst und la pomme de Schneewittchen
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Zuhause ist die Tese im Regen losgegangen, aber je mehr sie sich dem Limmattal nähert, desto besser wird das Wetter, und Dietikon empfängt sie bereits in der Sonne. Sie beeilt sich, auf den Hof zu kommen, denn unbedingt will sie, obschon sie heute wieder in die Obsternte geht, noch schauen gehen, wie das Gemüse wächst, in den Tunneln und auf den Feldern. Denn das ist ja schon gewissermassen das Dilemma: Gemüseernte ist schön, und Obsternte ist ebenfalls schön, aber man kann nicht überall gleichzeitig sein, auch wenn man das möchte.

Das Gemüse gedeiht prächtig und prunkt in allen Farben. Peperoni in grün, gelb und rot, Tomaten in allen Schattierungen, Auberginenblüten in violett und zartem Gelb. Auf den Feldern leuchten in langen Reihen die Lauchstängel intensiv petrolblau. Wer nicht weiss, wie Petrolblau aussieht – wie Lauch eben.

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Und dann ist es 13h30, und die Ernte beginnt. Vier Erntehelfende sind wir heute – ausser der Tese sind es Marcel, Susanna und Valérie. Valérie war vergangenen Samstag am Schnuppertag auf dem Fondlihof, und es hat ihr so gefallen, dass sie heute bereits zum Ernten da ist. Und sie stammt ursprünglich aus Paris! Sie lernt fleissig hochdeutsch, ist aber doch froh, wenn man hier und da französisch mit ihr spricht. Das verstört die Tese nicht gross, die aus dem bilinguen Biel stammt, und Tina, die mit «Bonne Chance» französisch gelernt hat, richtet ebenfalls einige französische Worte an Valérie. Und auch Marcel und Susanna signalisieren, dass sie sich mit Französisch zu helfen wissen. Und so entspinnt sich ein lebendiger und fröhlicher Sprachenaustausch.

Das Kantonalparlament von Zürich sollte sich die Aufhebung des Frühfranzösisch wirklich noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Geerntet werden heute Resi-Äpfel. Resi hat hier nichts mit «Die Resi ist mit dem Traktor da» zu tun - ein Lied, das man der Tese, weil ihr Name ja von «Therese» kommt, in ausgelassenen Kreisen oft gesungen hat – sondern «Resi» kommt von «resistent». Resi ist eine verhältnismässig resistente Apfelsorte, schorfresistent und recht robust, dazu auch bienenfreundlich. Es sind in den letzten Jahrzehnten verschiedene resistente Apfelsorten gezüchtet worden, die dann eben weniger gegen Schädlinge behandelt werden müssen, und oft hat ihr Name mit einer oder mehreren Silben des Wortes «resistent» zu tun, wie die Sorte Renewa, oder der Apfel Remo….

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Nur schön reife Resi-Äpfel sollen geerntet werden. Marcel weiss schon von letzter Woche, welche das sind, und Susanna auch. Tina zeigt es nun noch Valérie und mir. Reife Resi-Äpfel sind eigentlich wahre Schneewittchen-Äpfel: die eine Hälfte – die besonders verlockende! – ist von der Deckfarbe rot überzogen, ein wirklich schön kräftiges Rot soll es sein. Die andere Seite ist heller, aber keineswegs noch grün, sondern gelblich. «Jaunâtre», erklärt die Tese der Valérie, die alles sehr schnell begreift. Zu klein dürfen die Äpfel dann auch nicht sein, so rot sie auch leuchten mögen – wenn sie zu kein sind, ist ihr Geschmack nicht voll ausgebildet, und es gilt wie immer: Vom Fondlihof nur das Beste.

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Eine ganze Paloxe voll ernten wir. Ungefähr 350 kg seien das, sagt Tina – beinahe etwas entschuldigend, weil sie weiss, dass sich Erntehelfende manchmal optisch blenden lassen: das Auge sieht eine sehr imposante Menge Äpfel, und man meint dann, in einer Paloxe seien mindestens eine Tonne Äpfel oder mehr.

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Auf dem Weg in die Pause kommen wir dann an einer Kunstausstellung mitten in der Natur des Fondlihofs vorbei! Christian, der einfach alles kann – in der Teegruppe bei ortoloco wirken, und ganz toll fotografieren – Christian ist auch Dozent an der Zürcher Hochschule für Künste und gegenwärtig mit seinem Studiengang bei ortoloco zu Gast. Und heute haben die Studierenden Kohlezeichnungen geschaffen und diese dezentral, wunderbar ins Gelände passend, aufgestellt.

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Nach der Pause geht es in der kleinen Obstanlage weiter. Auch dort hat es Bäume mit Resi-Äpfeln, und die Tese grüsst vor dem Weiterpflücken noch rasch ihre Zwetschgenbäume von letzter Woche.

In der letzten Viertelstunde lesen Valérie und Tese noch Mostobst auf – die aussortierten Äpfel, die heruntergefallen oder leicht beschädigt sind. Zwei Kessel voll Resi-Mostobst leuchten anschliessend in der Abendsonne.

Au revoir, Fondlihof, au plaisir !

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