Mein Fondlihof – Water to the Babies
Die Tese bündelt Rüebli, pflückt Buschbohnen und erfindet neue Work Songs

Ortoloco ist immer für eine Freude gut, und als die Tese an diesem Erntemontag kurz nach halb acht auf dem Fondlihof eintrifft, geht es auch schon los mit freudigen Erlebnissen. Sie trifft nämlich Björge an, Björge Hehner, den sie bis jetzt nur durch ein Foto und mehrere Mails kannte, und durch ein Telefoninterview, das sie mit ihm geführt hat für eines der Porträts, die sie für den Jahresbericht von ortoloco verfasst hat. Björge hat Wochenenddienst gemacht und kommt jetzt oft auch morgens eine Weile vorbei – da Sommerferien sind, fehlen viele Gnossis, und da steigt Björge in die Lücke, gutmütig und hilfsbereit wie er ist, und ganz nach seinem Motto « Lose, luege, mache, nid fröge!» Er ist im Gespräch mit Gemüsebäuerin Rosa, und auch Hündin Lumpaz ist sehr zufrieden mit der Sache.

Und dann ist da Silvia, die offensichtlich auch schon früh am Morgen auf den Hof gekommen ist, sie sitzt im Garten am massiven Holztisch und putzt fleissig Johannisbeeren, um sie dann in handliche Gefrierportionen abzupacken. Die Beeren haben Hochsaison, die PG Beeren verzeichnet eine reiche Ernte, und so wird es dann mit dem tiefgekühlten Segen im Laufe der Zeit viele Gläser wunderbare Fondlihof Beerenkonfi geben.

Und dann gehen wir aufs Feld. Wir sind heute wieder eine ganz feine Truppe beieinander. Da ist François, mit dem es sich so interessant über alle erdenklichen Pflanzen unterhalten lässt – er gewinnt praktisch allem, was wächst, noch einen essbaren Teil ab und kocht sehr verlockende Mahlzeiten damit. Und dann ist Moe da, und Carolina und Zab! Zab aus Höngg, die eigentlich Elizabeth heisst und aus Michigan stammt, und mit der die Tese im März Radieschen gegraben hat.
Zuerst ernten wir im Handumdrehen ratzfatz den Schnittmangold, und dann geht es zu den Karotten. Die jungen Frauen greifen beherzt zum Spaten und graben zusammen mit François die Rüebli aus, und die Tese darf schon mal mit Bündeln beginnen. Dazu unterhalten wir uns in allen Sprachen. Carolina ist perfekt viersprachig unterwegs, sie stammt aus dem Centovalli und spricht neben Italienisch auch Englisch, Französisch und Deutsch. Zab hat letzte Woche die Sprachprüfung Niveau 1A in Deutsch abgelegt, unterhält sich jetzt fleissig auf Deutsch mit Tese und macht praktisch viertelstündlich Fortschritte. Sie fährt sogar zweigleisig – deutsch und zürichdeutsch! Gespaltene oder beschädigte Karotten landen in der Kochkiste als «Karotten für die Küche», beziehungsweise «Rüebli für in d’Chuchi».
Auch Rosa und Teo sind bei uns, und alle haben wir grosse Freude an den oft sehr individuell geprägten Rüebli. Es gibt Drillingsrüebli, Ginsengwurzelrüebli und sogar lange Herzrüebli.

Langsam steigt die Temperatur an, und bei der Buschbohnenernte dann, in gebückter Haltung und mit der Sonne, die einen auf den Rücken scheint, denkt Tese wieder an die Work Songs, die ihr schon beim Jätfestival vor vierzehn Tage eingefallen sind, als sie alle durch die Live Musik so schön in den Flow gekommen sind. «Bush Beans need a pickin’ so bad…» summt die Tese vor sich, den berühmten Song «Cotton needs a pickin’ so bad» für sich abändernd.
Nach der Pause, mit feinen Gipfeli von dem lieben Michał wiederum, geht es noch einmal in die Bohnen, und Teo ist sehr zufrieden, wie schnell wir sie fertig geerntet haben.

Und so kommt nun die Schlussrunde. «Wir gehen zum Lauch» sagt Rosa, und da stehen wir dann vor einem Feld, wo das Franzosenkraut beeindruckend hoch steht, der Lauch daneben und darunter sich aber eher klein ausnimmt. Das soll aber so sein, es ist nämlich Saatlauch, Winterlauch soll das dann geben!
Vorsichtig schält die Tese aus den Erdklumpen, die François aussticht, kleine Lauchpflanzen und stellt sie mit den Wurzeln nach unten in einen Kessel mit etwas Wasser. Die anderen Erntegspänlis machen es ebenso, und so kommt eine grosse Anzahl dieser Saatlauchpflanzen zusammen.


Anschliessend werden die Stängel in der schattigen Pergola sorgfältig geschnitten: die Wurzeln auf einen halben Zentimeter gekürzt und auch die langen Blätter auf einen Drittel gestutzt. So kann der Lauch dann nachher gut auf dem Feld eingepflanzt werden. Weil sie noch so klein und zart sind, und weil es so heiss ist, werden die kleinen Läuchlein bis dahin noch liebevoll in nasse Tücher gehüllt. «Water to the Babies» lacht François, und da hat die Tese gleich schon einen neuen Work Song: «Water to the Babies– oh yeah, Water to the Babies….. need it pretty much…»
Es ist bereits zwölf Uhr vorbei, aber die Tese bleibt noch zwanzig Minuten länger da, zusammen mit Rosa und Teo, und mit Jean-Paul aus der Normandie, der soeben in der Pergola eingetroffen ist und eine Woche lang auf dem Fondlihof mitarbeiten will. So schaffen wir es noch vor dem Mittagessen, allen Saatlauch, den das Ernteteam ausgegraben hat, bereit zu machen für das Auspflanzen auf dem Feld. «Water to the Babies… oh yeah…» singt die Tese leise vor sich hin, als sie dann schliesslich doch zum Bahnhof Maienweg geht, und sie freut sich jetzt schon auf den Winterlauch, der den Gnossis dann, zu majestätischer Grösse herangewachsen, in die Abotaschen gesteckt wird.