Mein Fondlihof – von Mitli, Handeli und Amedysli
Die Tese erntet Navettes und spürt Spinat im Beikraut auf

Auf dem Hofplatz sind Soraya und Teo, die beide ein Praktikum bei ortoloco absolvieren, schon kräftig in Aktion, als die Tese kurz vor acht Uhr auf dem Fondlihof anlangt.
Im Ernteteam sind heute wieder einmal keine Buben dabei – ausser der Tese ernten heute Anna-Julia, Larissa und Charlotte, und die Veterinärin Karin, mit der die Tese sich vor ein paar Wochen schon bestens beim Ernten unterhalten hat. Rosa mit dem schönen Zopf und Teo leiten uns heute beide beim Ernten an und transportieren einen beachtlichen Turm leerer Kisten vor den Gemüsetunnel – der Schnittsalat gibt sehr gut aus, man hat jeweils im Handumdrehen so eine Kiste voll.

Und seit Februar lässt sich dieser tolle Schnittsalat auch immer wieder schneiden – es ist wirklich eine veritable ortoloco-Traumserie!
Auf der Pikierstation geht es unter anderem ebenfalls um Salat. «Eissalat Mythos» wird heute ausgepflanzt, ein besonders knackiger Eissalat. Ein Fest für die Abo-Taschen wird das dann geben! Stets alles in besten Händen bei Pikiermeisterin Andrea, die auch immer wieder schöne Fotos auf den Signal-Kanal auflädt – heute sind es Blumen, wie sie zurzeit in allen Ecken, auf den Blühstreifen, im Garten und in den Hecken blühen.

Anschliessend geht es in die «Navettes», auch Mairübchen genannt, mit dem botanischen Namen ziemlich grossspurig «Brassica rapa subsp.rapa». Die Navettes sehen ein bisschen aus wie weiss rosa geschminkte ältere Cousinen der Radieschen, und tatsächlich sind sie auch, beide Kreuzblütler, einander verwandt.

Anschliessend werden Frühlingszwiebeln gestochen und geputzt, und danach nehmen wir uns des Pak Choi an.
Die Rosetten des Pak Choi sind nicht durchgehend unversehrt – es hat verschiedene Exemplare mit löcherigen Blättern. Unser ortoloco-Pak Choi war einige Zeit benachbart gewesen mit einer attraktiven Grünbepflanzung, die den Boden schön feucht gehalten und dadurch die Schnecken angezogen hatte. Und die Schnecken waren dann nur zu gern weitergezogen zum Pak Choi. Also gibt es da nun einiges auszusortieren.
Vor der Pause ist dann auch noch der Rhabarber dran – wieder ernten wir rund sechs Stängel pro Rhabarberpflanze, und während sie das Rhabarberlaub entfernt, hat die Tese ein Ritsch Ratsch-Revival.


Nach dem Pausenimbiss - wieder lecker knusprig, mit Michał-GIpfeli und einem Kuchen, den Rosa mit dem schönen Zopf gespendet hat - geht es in die zweite Ernterunde. «Sind das deine?» fragt Teo, bevor wir wieder aufs Feld abmarschieren und hält der Tese ein Paar graue Pulswärmer hin. Sind sie aber nicht, Tese hat ihre schon an, die Temperatur ist ja nicht viel über 8 Grad. «Wie nennst du schon mal noch als Bernerin die Pulswärmer?» fragt Teo. «Mitli», sagt die Tese, «und wie sagt ihr bei euch im Thurgau?» «Handeli» erklärt Teo, und dann weiss plötzlich noch jemand, dass in unserem putzigen kleinen Land mit seiner Sprachenvielfalt sogar Gegenden gibt, wo man die Pulswärmer «Amedysli» nennt. Der Tese, die in Biel ja am Tor zur französischen Schweiz wohnt, fällt ein, dass ein «amadis» auf französisch ein «Halbärmel» ist, und tatsächlich geht der Ausdruck «Amedysli» für Pulswärmer darauf zurück. Samt Mitli oder Amedysli geht es nun zum Freilandspinat, wo ein Feld gänzlich abgeerntet werden soll. Es ist äusserst knifflig, auch diesmal – es war bei all der vielen Arbeit der vergangenen Wochen nie recht Zeit dafür gewesen, den Spinat zu jäten, und nun versinkt der phasenweise im Unkr---- äh, im Beikraut, wie wir natürlich im biologischen Landbau sagen. Der Tese ist diese Optik äusserst einsichtig, sie ist sehr für diese moderne, wertfreie Terminologie, wonach «Beikraut» eben nicht wertloses «Unkraut» sein muss, sondern ökologischen Nutzen haben kann, als Nahrung für Insekten, als Bodenschutz, zur Förderung der Biodiversität. Das alles passt der Tese, und sie ist sehr dafür, Pflanzen grundsätzlich nicht als Unkraut zu verteufeln. Es ist einfach so, dass jetzt, wo die Tese im Beikraut nach Spinat sucht, und Karin neben ihr, im selben Boot, einige markante und von Stöhnen untermauerte Bemerkungen zur Sachlage abgibt, einem dies Beikraut beinahe dann doch wie Unkraut vorkommt – aber natürlich wirklich nur beinahe.
Und danach ist auch das geschafft, wir leeren mehrere halbvolle Kisten zu ein paar ganz vollen Kisten zusammen und bücken uns nach jedem Blättchen, das versehentlich herunterfällt, denn dieses zäh errungene grüne Gold ist zu kostbar, als dass das Geringste davon verloren gehen dürfte.
Und dann zieht die Tese ihre Mitli, Handeli, Amedysli aus, packt ihre Tasche, winkt allen auf dem Fondlihof zu und sagt: «Bis zum nächsten Mal, alles Gute», oder wie man im Zürichbiet so herzlich und liebevoll sagt, und wie es der Tese so sehr gefällt: «Hebed öi Sorg!»
