Mein Fondlihof – verliebtes Gemüse und erste Kirschen
Der Fondlihof zeigt Sommerleuchten und die Tese unterhält sich mit Hündin Lumpaz

Ja, ortoloco leuchtet so richtig – die Schafskälte überstanden, die Eisheiligen nur noch eine ferne Erinnerung, und die nächste massive Hitzewelle hat noch nicht eingesetzt: Wunderbares, ideales warmes Erntewetter.
Und dies gleich für zwei Ernteteams! Zum ersten Mal in diesem Jahr nämlich war für heute nicht nur der übliche «Gemüse Ernte» Einsatz ausgeschrieben, sondern auch «Kirschenernten». Denn der Kirschensegen hat eingesetzt bei ortoloco, letzte Woche bereits wurde der Fondlihof von schönem Ertrag überrascht, wie Tina erzählt. Und so geht das Kirschenteam mit Finn in die Kirschenanlage, und das Gemüse Ernteteam mit Gemüsebäuerin Rosa und mit Teo aufs Feld.
«Schaut», sagt Rosa beim Vorbeigang, und weist auf ein blitzsauberes Beet Wasserspinat, «das ist am Wochenende gejätet worden!» Und wirklich, der Wasserspinat, Ipomea aquatica, der von Asien herkommend jetzt auch das Limmattal und weitere Landesteile begeistert - dieser Wasserspinat kann jetzt wirklich ganz ungehindert von Beikraut seine langen spitzknackigen grünen Blätter spreizen und es sich wohl sein lassen. Die fleissige Jätleistung hat nun wirklich ein Foto verdient!

Wir sind beim ersten Erntefeld angelangt – es ist wieder Kohlrabi, die grössten sollen wir ausziehen und zurechtschneiden. «Guck mal!», sagt Teo und hält der Tese ein zusammengewachsenes Kohlrabipärchen hin, «die sind verliebt!» Das rührt die Tese, und sie legt die verliebten Kohlrabi für ein weiteres Foto sorgsam zwischen zwei Süsskartoffelstauden, die sich in den Startlöchern befinden, um von kleinen Pflänzchen zu wahren Riesenschlingen heranzuwachsen – die Tese erinnert sich noch gut an die Rodung der Süsswasserschlingen vom letzten Herbst.

Und dann beginnt der Reigen der Hülsenfrüchte! Es startet mit Kefen, geht weiter mit Zuckerschoten und für die Tese endet es dann noch mit Vicia faba – Favabohnen.
Zuerst also die Kefen, die so herrliche Schoten produzieren, und gleichzeitig auch immer noch wunderschön blühen. Die Tese erntet Agnes gegenüber, sie unterhalten sich angeregt, und im Nu ist es dann 10 Uhr und Pause. Über fünfzehn Personen finden sich heute am langen Tisch draussen ein, und zum ersten Mal gibt es jetzt auch von den erntefrischen Kirschen. Es blüht im Garten, es blüht ums Haus, und beim Brunnen – nirgendwo ist es vermutlich jetzt gerade schöner als auf dem Fondlihof.

Nach der Pause beginnen Rosa und Karin die Zuckererbsen abzuernten. Die Stauden werden ausgerissen und all die schönen, prallen Zuckerschotten abgepflückt. Wir anderen ernten zuerst die Kefen fertig und stossen dann auch zur Zuckererbsengruppe. Während wir ernten, erzählt Veterinärin Karin sehr spannend von Berg- und Vulkanbesteigungen in Ecuador auf 5000 Metern.

Und dann darf die Tese für die letzte halbe Stunde noch Favabohnen ernten. Sie geht oben ans Ende des Feldes, wo die weissen Erntekessel stehen und Rosas Hündin Lumpaz, an ein Pflöcklein gebunden, es sich daneben gemütlich gemacht hat. Als die Tese einen Erntekessel nehmen will, versetzt dies Lumpaz in Empörung. «Das sind meine Kessel!» bellt sie, «meine, meine, meine!»
Die Tese, die Lumpaz heiss liebt, was der leider völlig egal ist, bemüht sich, sie mit freundlichen Worten zu besänftigen, schlägt gleichzeitig einen eleganten Halbbogen und versucht einen der Kessel an sich zu nehmen. Lumpaz erzürnt sich erneut. «Diese Kessel gehören dir nicht, es ist unerhört!» «Aber vielleicht gehören sie ein wenig dem Fondlihof, und dadurch uns allen?» schlägt die Tese vor, und damit ist Lumpaz nun einverstanden. Sie zieht sich an den Schatten hinter die Kefestauden zurück und die Tese darf den Kessel nehmen. Und sogar einen zweiten braucht sie wenig später, denn die Favabohnen haben grosse Schoten und geben beträchtlich aus.

Und dann ist es zwölf Uhr – hoher leuchtender Mittag. Das Gemüse Ernteteam verabschiedet sich voneinander. Die Tese macht noch einen Abstecher zum Teekräuterbeet, wo es nun auch zu blühen beginnt. Zarte filigrane Kamille - Rosa aus der alten Donaumonarchie hat da letzten Freitag gejätet, wodurch die Kamillenblümchen über das Wochenende richtig aufatmen konnten. Und violett schimmernde Malve, und orange goldene Ringelblumen. Hic habitat felicitas – hier wohnt das Glück, oder wenigstens ein Stück davon - ja, denkt die Tese, hier könnte das Glück schon ein Stücklein weit wohnen.
