Mein Fondlihof – Hussassahe! Sturm drauss’ – lachen wir aus!
Die Tese ist dem «Tatort» von Sonntag heil entronnen und erntet im Sturmgebraus mit dem «Fliegenden Holländer».

Es ist das letzte Mal in diesem Jahr, dass wir Morgens ernten. Ab November wird die Ernte-Crew von 13 Uhr bis 17 Uhr im Einsatz sein. Und gleichzeitig ist es der erste Erntetag auf dem Fondlihof zu Winterzeit – die Uhren sind ja erst gestern wieder umgestellt worden, Gewöhnung hat noch nicht eingesetzt, ein Vorteil für Tese. Denn ihr innerer Organismus war heute Morgen um halb fünf Uhr – wo sie jeweils aufstehen muss, wenn sie von Biel her um 8 Uhr bei ortoloco ernten will – ihr innerer Organismus also war heute Morgen der festen Überzeugung, es sei schon halb sechs, und da eben geht das Aufstehen ja ganz leicht.
Dafür aber hat die Tese seit gestern Abend gewusst, dass wettermässig am Montag ein ziemlich fordernder Tag bevorstünde. Es werde «querregnen», verhiess der Meteo-Mann Sonntagabend kurz vor 20 Uhr, der Sturmwind werde unvorstellbar heftig sein. Die Tese blieb nach dem Meteo vor dem Fernseher sitzen, etwas eingeschüchtert ob der wuchtigen Prognose, und daher geriet sie, nach langer Zeit zum ersten Mal wieder, in einen «Tatort»-Krimi. «Letzte Ernte» hiess der – Mord auf einem Biohof. Tss! dachte die Tese und rückte sich im Sessel zurecht. Die Kommissarin kam auf den Biohof, weil einem Mann der Kopf abgetrennt worden war, und es stellte sich heraus, dass besagter Kopf in einem Plastiksack verpackt auf einem Gestell in einem scheunenartigen Material- und Lagerraum des Biohofs versteckt war, der – die Tese muss es zugeben – dem scheunenartigen Material- und Lagerraum auf dem Fondlihof recht ähnlichsah, nur weniger gut aufgeräumt. Sonst aber keine Ähnlichkeiten! Es wurden auf diesem «Tatort»-Biohof frevelhaft Bioäpfel heimlich mit Glyphosat gespritzt, und Katja Furtwängeler als Kommissarin half ein paar Äpfel ernten, aber nicht sehr überzeugend – Vanessa wäre nicht zufrieden gewesen.
Nun aber ist Montagmorgen, und die Tese langt auf dem Fondlihof an. Im Material- und Lagerraum befindet sich nichts Grausliches, sondern bloss tadellos geordnete Outdoor-Ausrüstung. Stiefel, Handschuhe und Ölzeug, wie wir bei der Schifffahrt sagen – gelbe wetterfeste Jacken und Hosen in allen Grössen.

Und zu den Handschuhen ist noch zu sagen: Da wird sehr schön etwas zur Schau gestellt, was den Fondlihof eben auch sehr auszeichnet: der unbändige Humor! Welche Cooperative nennt sich denn sonst schon ortoloco? Und eben, mit sehr schönem Humor werden einzelne Single-Handschuhe behandelt, bitte zoomen:

Und nun also, bei Sturm und Regen aufs Feld, und dies trotz allem munter und vergnügt, denn wir sind wieder eine sehr nette Gruppe beisammen. Erneut nur Mädels, keine Buben, denen war das Wetter wohl zu schlecht.
Zuerst ernten und putzen wir Knollensellerie. 140 Stück sollen es sein, immer 15 in eine Kiste. Falls jemand den Unterschied noch nicht kennt, zwischen einem Knollensellerie, bei 6 Grad aus dem nassen Boden geholt, und einem Eisklumpen – es gibt keinen.

Die acht Kisten sind aber dann doch recht rasch gefüllt und dann geht es in den Federkohl. Von unten herauf die grössten vier Federblätter pro Pflanze sorgfältig abknicken und die gelben wegnehmen.

Das ist auch recht schnell gemacht, und jetzt geht es in den Gemüsetunnel. Ho! He! Je! Ha! Solch ein gewaltiges Sturmgetöse hören wir da unter dem hohen Plastikgewölbe! Tatsächlich noch wesentlich stärker als draussen, die Wölbung macht es wohl aus, jeder Akustikingenieur wäre fasziniert, und die Tese ist es auch, denn sie hat eine Schwäche für die Elemente, für Sturmwinde und Wellen, und für Geisterschiffe, die sich, das hört man ganz deutlich, da durchpflügen. Hussassahe! singt sie leise für sich, während sie artig kleine Asia-Salatpflänzchen jätet und ausdünnt – Hussassahe! Klipp- und Sturm drauss’ – Jollohohe! lachen wir aus! Hussassahe! Klipp- und Sturm drauss’ lachen wir aus!

Dann geht es zur Pause, und zu Teses Freude sind Leonidas und Freya auch hier. Denen war langweilig in der WG droben, wie ihr Vater erklärt. Für Aussenstehende, die Teses Hofberichte noch nicht alle kennen: Freya und Leonidas sind Kleinkinder, Zwillinge, und sie hängen sehr an ihrem Vater: Leonidas vorne in ein Tuch um den Bauch gebunden, und Freya auf dem Rücken in einer Trage – oder vielleicht ist es gerade umgekehrt. Bezaubernd niedlich sind sie beide.
Das Konfibrot ist wieder herrlich, und der Tee aus der hauseigenen Mischung unserer wunderbaren Teegruppe köstlich und perfekt aufheizend, so dass wir gestärkt und mutig in den Gemüsetunnel zurückkehren, wo wir jetzt noch in den Nüsslerzeilen jäten sollen. Dieses hat nun seine Tücken. Dieser Nüssler ist noch so klein, dass er sich zurzeit praktisch durch Unsichtbarkeit auszeichnet. Daher muss man im Ausschlussverfahren jäten: Roggengras raus, Phacelia raus, und einiges kleines Unkraut, das die Tese noch vom Blühstreifenjäten im Frühling kennt, ebenfalls raus. Und was bleibt und man praktisch nicht sieht, das ist dann eben der Nüssler.
Ho! He! Je! Ha! singt die Tese wieder innerlich leise und stellt sich in lüsterner Vorfreude einen gewaltigen Teller voll knackigen ortoloco-Nüsslersalat vor, mit Ei, Speck und gerösteten Croutons, in einer warm geheizten Stube und mit einem heissen bunten Fondlihof-Tee.
