Mein Fondlihof – Steinetonnen und Wieselpaläste
Inmitten eines tollen Teams errichtet die Tese aus Biel voller Freude Kleinstrukturen im Agroforst von Ortoloco

Über den Signalkanal von ortoloco hat Tina eingeladen. «Liebe alle, am kommenden Freitag, 24. Juli, bauen wir bei angenehmen Temperaturen Kleinstrukturen in unserem Agroforst, tragt euch gerne für den Einsatz ein.» Und das hat die Tese gemacht. Ausser ihr haben sich von den Gnossis auch Clio, Dominik und Anina eingeschrieben. Clio hat ihr Töchterchen Lei mitgebracht, und ihren Bruder Jim, der übers Wochenende von Köln aus angereist ist und einen seiner drei freien Tage ortoloco widmet. Und dann trifft auch noch Yvonne aus Murten ein, die Mutter unseres Hofpraktikanten Kyro.
Tina und Philipp vom Hofteam werden uns anleiten. Tina versammelt uns auf dem Hofplatz, um uns Informationen zu geben. Das ist zum einen eine sachkundige Einführung in den Arbeitsmorgen. Zum andern geht es auch um allerlei Wellnessfaktoren, und die Tese stellt fest: Genau wie beim Jätfestival werden wir gehätschelt. Wir sollen genug trinken, es sei dann Most, Wasser und Rivella da, und den Rücken nicht kaputt machen sollen wir uns, und in den Schatten gehen, wenn wir nicht mehr mögen.

Für jene, die mal wissen möchten, wie die Tese aussieht – sie ist es, die fotografiert im Schatten.
Mit Velos, zwei Autos, Material und Gerätschaften fahren wir dann zum Agroforst von ortoloco, und nun sieht die Tese auch endlich, wo der ist, nämlich fast vis-à-vis von der Station «Spreitenbach Kreuzäcker» der Limmattalbahn, auf der anderen Seite der Strasse. Da beginnt dieses Stück Pachtland von ortoloco, 2 Hektar Ackerfläche mit 5 Reihen von Bäumen. Gefördert und bereichert wird ein solches vielfältiges Ökosystem durch das Anlegen von Kleinstrukturen, unter anderem aus Steinen und Holz, die Tieren und Pflanzen zusätzlich Lebensraum geben. Und darum wollen wir jetzt heute Morgen in einer der Baumreihen drei Steinhaufen für Wiesel anlegen, mit einer Aufzuchtkammer und schlau platzierten Ein- und Ausgängen, so dass sie darin geschützt sind vor Feinden und einen richtig schönen Palast als Rückzugsort haben.
Philipp zeigt uns noch Dokumentationsmaterial, und Lei studiert es eifrig. Lei ist noch klein, geht noch nicht zur Schule, aber es geht einem das Herz auf, zu sehen, wie die jüngste Generation bereits biodiverse Lebenswelten und die Freude am Zusammensein mit Menschen, Tieren und Pflanzen in der Natur kennenlernt.

Tina und Philipp besprechen noch einmal die genauen Standorte, Ausrichtung und Grösse, damit man dann beim Ackern gut um die Steinhaufen und die Bäume herumkommen wird.


Dann gibt es zwei Gruppen, und die Tese ist in der Tinagruppe, mit Dominik, Jim, Clio und Lei.
Tina misst die Fläche aus, es wird etwas Erde ausgehoben und dann ein Sack Sand dazugegeben.
Und dann beginnen wir mit der Brutstätte für die Wiesel. Wir setzen grosse Steine rund um die Sandfläche, zwei Etagen hoch. Wir sparen zwei Ein- und Ausgänge aus, nicht zu gross, etwa Faustgrösse. Das Wiesel soll rein, der Fuchs nicht. Und die Katze auch nicht. Dann füllen wir Stroh in die Kammer, üppig genug, so dass wir selber Lust kriegen, uns da reinzulegen.
Mit Stücken von Gartenplatten wird die Aufzuchtkammer gedeckt, und wir Gnossis sind hingerissen, was wir da Schönes geschaffen haben.
Diese Begeisterung ist nun freilich auch sehr nützlich als Katalysator für unser weiteres Arbeiten, denn jetzt geht das erst so richtig los mit der gewichtigen Arbeit. Fuder um Fuder von den 16 Kubikmetern Steinen, die für uns angeliefert worden sind, lädt Kyro mit dem Bagger auf, wir helfen die Schauffel füllen und beteiligen uns auch beim Abladen.

Und dann werden die Steinhaufen aufgeschichtet – drei Meter lang, zwei Meter breit und einen Meter hoch muss so ein Wieselpalast sein, sonst geht das Wiesel gar nicht erst rein. Es dürfte dabei von Sicherheitsinstinkt geleitet sein, nicht unbedingt von luxuriösen Wohnbedürfnissen. Wobei wir uns beim Aufschichten der Steine schon fragen, wie die Wiesel wohl ihre Betten und die Wohnstube ausrichten werden – ob mit Sicht gegen Spreitenbach, oder mit Sicht Richtung Fondlihof.
Der Tese macht die Arbeit mit den Steinen unheimlich Spass, und es scheint, den andern auch. Man muss ein Auge entwickeln für die Kontur der einzelnen Steine, so dass man sie passend und stabil aufschichtet. Wenn man es gut macht, erfüllt es einen mit Stolz, es ist eine sehr anschauliche Wissenschaft, es gleicht ein wenig dem Steinmanndli stellen in den Bergen.
Um halb eins gibt es Mittagessen auf dem Hof, Philipp hat ein sagenhaftes Vegi-Essen mit fünf Komponenten gekocht, und wir geniessen es draussen unter der mächtigen Eiche, gegen die die Weltesche Yggdrasil geradezu einpacken kann.


Am Nachmittag bauen wir unsere Wieselpaläste weiter auf, es ist unser grosser Ehrgeiz, sie bis 15 Uhr fertigzustellen. Und weil die meisten von uns gerne noch eine Viertelstunde länger drangeben, schaffen wir es dann auch!

Und dann rechnen wir noch schnell aus, wie viele Tonnen Steine wir heute angehoben und aufgeschichtet haben: Rund 60% der angelieferten Steine sind verbraucht für die drei Paläste. Bei der verhältnismässig lockeren Aufschichtung kann immerhin von einem Gewicht von 1500 – 1800 kg pro Kubik ausgegangen werden. So haben wir miteinander sicher über 14'000 kg Steine verarbeitet, und pro Kopf macht das gut 2 Tonnen. Die Tese wird das jedem prahlen, der ihr in der nächsten Zeit unter die Augen kommt.
Mit Give me Five- Abklatschen endet dieser ortoloco-Tag – welche Freude, welche Wohltat, hier dabei zu sein, bei all den tollen Menschen, mit den Fachkräften, die ihr grosses Wissen mit uns teilen, und immer so freundschaftlich mit uns zusammenarbeiten.
Danke ortoloco, danke euch allen, und auf bald wieder.