Hofbericht

Mein Fondlihof – Rotkohl ernten und Herbstlauch rüsten

Heute ist die Tese wieder einmal bei der Gemüsernte. Und entdeckt, dass die Freude auf ortolocos Feldern elektrisierend ist.

Mein Fondlihof – Rotkohl ernten und Herbstlauch rüsten
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Die Tese steigt im Morgengrauen in Dietikon Maienweg aus, und «Morgengrauen» trifft es recht gut: Es ist dunkelgrau draussen und regnet feine Fäden. Aber der Eindruck verflüchtigt sich rasch, sobald man gegen den Fondlhof kommt, wo man schon von weitem in der Dämmerung die Felder sieht und freudig gespannt ist, was es wohl zu ernten gibt. Und diese Freuden peppt ortoloco noch sehr listig auf! Die einen verpackt es als Überraschung – was mag sich wohl unter der Abdeckung verstecken? - Nüssler, Nüsslisalat, vernimmt Tese später von Ste.

Und andere Freuden sind richtig gehend elektrisierend: Als sich Tese voller Begeisterung den knackigen Salaten zuneigt, erfährt sie ein leichtes Zwicken. Die feinen Salate müssen mit einem schwachen Stromzaun vor den Rehen geschützt werden, die sich oft im Gebiet des Fondlihofs tummeln.

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Dann erscheint Andrea, die heute nicht auf der Pikierstation ist, und dann kommt Rosa vom Gartenteam, es kommen weitere, und es geht los mit der Ernte. Aus zwei Richtungen nähern wir uns dem Rotkohl, die einen von oben her mit Ste, die andern von unten her mit Rosa. Acht Personen sind wir heute zum Ernten – aber ganz ohne Buben diesmal! Alles Frauen! Mit schönen Namen, wie immer. Arabela Philipona ist da, und die Tese vermutet, dass sie mit diesem Namen eine Südseeprinzessin sein muss –eine sehr angenehme Vorstellung in der nassen Kälte – aber Arabela erklärt in schönem Seislerdütsch, dass Philipona ein Freiburger Geschlecht ist.

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Der Rotkabis ist schnell geerntet, rasch füllt sich Kiste um Kiste. Zwölf sind es dann insgesamt, die Rosa per Anhänger mit dem Velo nach vorne zum Hof führt. Eine sehr nette junge Berufskollegin der Tese, auch Journalistin, hilft der Tese, die Kisten zu stabilisieren und gleichzeitig Rosa mit Schieben zu unterstützen. Die junge Journalistin, die zwei Tage pro Woche auf dem Fondlihof arbeitet und sich sehr gut auskennt, stammt aus einem anderen Land, einem Land, wo man nicht gut zu Journalisten ist.

Dann bringen wir Grabgabeln zu den Herbstlauchfeldern, aber vorher sollen wir noch dem Grüppchen helfen, das vor einer Weile schon zu den Edamame gegangen ist. Edamame, die japanische Sojabohne, die man kurz in Wasser blanchiert, dann mit Salz bestreut, und die Kerne dann mit den Zähnen aus der Bohne schabt – das sei die japanische Art, sie zu essen, und herrlich sei das, sagt Ste.

Zurzeit hängen die Edamame noch am Strauch, und wir sollen erst die ganz reifen nehmen, die andern werden später geerntet. Also die prallen, wo man die Textur bereits gut sieht, denkt die Tese blöffisch, denn schliesslich ist sie heute zum 22. Mal bei ortoloco zum Ernten, und da lagern sich natürlich auch Fachausdrücke ab.

Bei der Edamame-Ernte kommen wir schlecht vorwärts, das liegt in der Natur der Edamame – zwei halbe Kisten voll gibt es nur, die Sara dann in vergnügter Brutalität sogar noch zu einer einzigen Kiste zusammenleert.

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Und dann geht es definitiv zur Lauchernte. Jetzt aber – welches ist Herbstlauch? Und welches ist Winterlauch? Vielleicht doch besser noch Robi fragen. Danach stechen die einen den Herbstlauch aus, und die anderen putzen ihn. Die Tese putzt, und das macht sie gern – es ist faszinierend, einen wurzelbehafteten, struppigen Lauchdreckspatz in einen eleganten weissgrün glänzenden Stängel zu verwandeln

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Die Tese schaut auf den Lauch nieder, den sie rüstet, und denkt daran, wie gerne Jäcky Laucheintopf gehabt hat, mit Lauch, Rüebli und Sellerie, und auch das Papet Vaudois hat er so gemocht – Lauchgemüse mit Kartoffeln und einer Saucisson. Jäcky ist Teses Ehemann, der vor 13 Monaten gestorben ist, und der eigentlich nicht Jäcky heisst, von dem aber sonst alles stimmt, was hie und da hier von ihm erzählt wird. Die Tese kocht keinen Lauch mehr – kein Jäcky mehr, kein Laucheintopf mehr, und auch kein Papet Vaudois, so einfach unerbittlich ist es manchmal im Leben, und so unerbittlich einfach. Aber die Tese malt sich aus, beim Rüsten des Herbstlauchs, der am Schluss fast wie Perlmutt schimmert, was wohl alle die Gnossis von ortoloco jetzt für sich und ihre Lieben kochen werden, mit dem Lauch, den sie schon bald in ihren Abo-Taschen vorfinden.

Es ist eine Freude, sich das auszudenken - eine der vielen Freuden, die der Fondlihof bereit hält, heute und an jedem Tag.

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