Mein Fondlihof – Hoch hinaus!
Drei Wochen lang ist die Tese aus Biel nicht bei ortolocco gewesen – ein frohes Wiedersehen gab es heute, mit allem, was auf dem Fondlihof wächst und dabei mächtig an Höhe zulegt.

Zwei Runden habe ich aussetzen müssen, wegen einer Rippenquetschung, nun aber bin ich zurück zum Ernten auf dem Fondlihof. Ich bin gespannt gewesen im Vorfeld, wie sich wohl alles verändert habe, in den drei Wochen, und ja, vieles ist imposant in die Höhe geschossen! Die Eselsdistel Onopordum acanthium ragt in den Himmel, die Tomaten in den Gemüsetunneln auch, und die Malven im wunderbar blühenden Teekräuter-Streifen ebenfalls. Und die Stangenbohnen überragen die Tese gleich in Meterlänge, was zwar nicht so schwierig ist, aber immerhin.

Wir sind eine tolle grosse Erntegruppe beisammen, neun Personen zeitweise. Zuerst wird Schnittmangold geerntet, Schnittlauch und Petersilie, kraus und glatt, es geht im Handumdrehen. Dann wechseln wir das Feld und gehen Richtung Rucola, den Nathalie zuerst gar nicht sieht, weiter weg und ohne Brille, aber dann, von nahem, zeigt es sich natürlich ganz klar: da ist hübscher, manierlicher Rucola, wenn auch bei den eher tiefen Temperaturen der letzten Zeit nicht übermässig ins Kraut geschossen.

Anschliessend werden wir gefragt, wer Rondini ernten möchte, und wer Peperoni. Bei den Rondini müsse man ein wenig den Suchblick entwickeln, weil die sich zuweilen verstecken, sagt Ste. Das interessiert mich, daher melde ich mich. Zu dritt gehen wir Erntehelferinnen ins Rondinifeld, das selbst auch ein wenig versteckt ist – man entdeckt es erst, wenn man weiss, wo es ist. Und da schneiden wir nun Rondini, wann immer wir welche finden, die schön reif sind. Nachtdunkelgrün sollen sie sein, und das ist gleichzeitig eben auch die perfekte Tarnfarbe. Aber wir schaffen es, genügend für 105 Gemüsetaschen aufzuspüren, und sogar noch ein paar darüber hinaus.

Was wir nicht gewusst haben: Als wir unsere Wahl zum Ernten trafen – Rondini oder Peperoni? – haben wir damit auch gleich die Weichen gestellt für das anschliessende Jäten. Wer Rondini geerntet hat, der kommt nun zum Randenjäten, und die Peperonicrew geht zum Rosenkohl. Um halb zehn Uhr beginnen wir bei den Randen, und um 10 Uhr, als wir gedankenvolle Blicke über die lange Reihe Randen werfen, die es noch vom Unkraut zu befreien gilt, ist uns klar – nach der Pause wird das wohl hier vermutlich weitergehen. Der Tese macht allerdings jäten überhaupt nichts aus, auch beim Jäten kann man ganz hübsch in den Flow kommen, so ist ihre Auffassung.
Nach der Pause kommen wir überein, dass wir zuerst alle miteinander helfen, den Rosenkohl fertig zu jäten. Das ist Schwerarbeit, da viele grosse, kräftige Gräserbüschel zu beseitigen sind. «Mach bitte für deinen Hofbericht ein Foto von dem wunderbar gesäuberten Rosenkohlfeld!», bittet Lisa, und natürlich entspreche ich diesem Wunsch.

Anschliessend geht es, auch wieder für alle, bis Mittag erneut in die Randen zum Jäten. Franzosenkraut und zähe Gerstenstengel müssen da weg, und allerlei Kleinkraut. Dazu kann man sich bei aller flinken Fingerarbeit auch gut noch etwas unterhalten – mit Debi aus Schwellbrunn und Rosa aus dem oberösterreichischen Gmunden, über Silvesterchläuse und das Jassen mit deutschen und französischen Jasskarten.
Und dann ist das Ernten auf dem Fondlihof für heute auch schon wieder vorbei. Zum Glück hat sich die Tese für nächste Woche auch schon wieder eingeschrieben. Und jetzt macht sie noch ein paar weitere Fotos, weil es so schön ist auf den Feldern des Fondlihofs, und weil die Freude darüber sich an diesem kühlen Tag Ende Juli einfach Bahn bricht und auch der Tese ins Herz schleicht.
