Hofbericht

Mein Fondlihof – Feldspinat und Ritsch-Ratsch-Rhabarber

Die Tese erntet mit Kopf, Herz und Hand, und zum ersten Mal auch mit Philipp

Mein Fondlihof – Feldspinat und Ritsch-Ratsch-Rhabarber
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Wie immer bereitet schon der Weg auf den Fondlihof Freude. Der Blühstreifen der Kirschenplantage lang beginnt jetzt so richtig in Vielfalt zu strahlen. Und die Kirschen – sie haben beide Frostwellen überstanden, dank der Umsicht und dem riesigen Einsatz des Hofteams. Grün und keck leuchten die kleinen Früchte in den Kirschbäumen – was wird das für ein schwelgerisches Fest des Kirschenpflückens geben, im Juni!

Zum Ernten sind wir heute wieder eine gemischte Gruppe – mit Buben und Mädchen. Ausser der Tese sind das Dietrich und Michael, Linda, Saskia und Silja. Und dann gibt es für die Tese eine Premiere! Zum ersten Mal, seit sie dabei ist, leitet Philipp vom Gartenteam uns beim Ernten an. Wir beginnen draussen, Philipp führt uns aufs Feld neben die Gemüsetunnel – und da hat nun auch er, wie er sagt, eine Premiere. «Zum ersten Mal», sagt Philipp, «ist uns der Spinatanbau draussen gelungen!» Und dann erzählt er uns sehr viel Wissenswertes über Saatgut und Züchtungsmethoden, über samenfestes Saatgut einerseits und über Hybridzüchtungen andererseits, so wie sie eben jetzt mit dem «F1»-Samen für den Feldspinat genutzt worden ist.

Das Ernten geht nicht so schnell – es hat ziemlich viel Beikraut, das assortiert werden muss, und man muss sorgfältig schneiden. Aber die wunderbaren zarten Spinatblättchen erfreuen einen das Herz, und man malt sich so gerne aus, wie die Gnossis dann Freude haben, diesen feinen Spinat in ihren Abotaschen zu entdecken. Und dazu führen wir interessante Gespräche. Linda erntet vis-à-vis von mir – Linda, die Bühnenbildnerin, mit der ich schon letzten Sommer einmal geerntet habe. Linda ist immer in spannenden Theaterprojekten beteiligt, zurzeit gerade mit einem Theater für Kinder. Und nicht nur wohnt ihre Grossmutter in der gleichen Genossenschaft in Biel wie Teses Mutter, sondern sie kennt auch die beiden Schauspieldirektoren des Stadttheaters Biel Solothurn. Die Welt ist klein, und die Tese freuts.

Der Spinat nimmt uns bis zur Pause in Anspruch. Zum Hof zurück geht die Tese mit Dietrich, der mit Nachnamen «Pestalozzi» heisst. Und er ist tatsächlich verwandt mit dem grossen Johann Heinrich Pestalozzi, dem Pädagogen mit Kopf, Herz und Hand, ihre gemeinsamen Linien treffen sich im 17. Jahrhundert, und ursprünglich gehen alle Pestalozzis auf einen gemeinsamen Vorfahren aus dem 15. Jahrhundert aus Chiavenna zurück –dies alles ist bestens dokumentiert.

Zur Pause ist für uns aufs Schönste aufgedeckt! Der liebe Michał hat wieder Gipfeli gebracht, und zwar gleich zwei Papiersäcke voll – er habe am Flohmarkt in Dietikon am Samstag so gute Geschäfte gemacht, sagt er. Und Silja hat wunderbar konfektionierte Schokolade mitgebracht, und Kamblibretzeli gibt es, nebst Brot und Fondlihof-Konfi –das reine Füllhorn.

Nach der Pause geht es in die Rhababer. Die hat die Tese in den letzten Wochen nun schon ein paarmal von weitem gesehen, und sich darauf gefreut. Nur etwa sechs Stängel pro Pflanze dürfen wir brechen, man darf eine Rhabarberstaude nie ausplündern, am Schluss muss immer etwa ein Drittel der Pflanze stehen bleiben. Philipp zeigt uns dann, wie wir beim Rüsten das grosse Blatt am besten entfernen: Mit dem Messer ritsch-ratsch von jeder Seite ein scharfer Schnitt, so bliebt es ein kleines grünes Dreieck. Es macht Spass - ritsch-ratsch, mit Schwung, und die Tese denkt sich im stillen allerlei Angriffiges dabei – ritsch-ratsch!

Danach gibt es einen Ausflug in den Gemüsetunnel, zum Schnittsalat, vorbei an einigen Aussaatkästen mit schönen Namen – Black Beauty, für eine Zucchettisorte, und «Green Hokaido», für einen Kürbis.

Und zum Schluss geht es dann noch einmal aufs Feld hinunter, zuerst zu den Radieschen, und dann ein weiteres Mal zu dem herrlichen Knoblauch, Allium sativum.

Hundert Stück Knoblauchstängel seien zu ernten, sagt Philipp, wir sollen sie zählen. «Wie zählt man?» fragt die Tese, die wissen möchte, ob wir abgezählte Depots entlang des Feldes machen sollen, oder direkt in Kisten zählen. «Wie zählt man?», sagt Philipp und grinst die Tese an: «Und eins, und zwei, und drei…». Die Tese ist entzückt. Seit vor 20 Monaten Jäcky gestorben ist – Jäcky ist Teses Ehemann, der eigentlich anders heisst, aber sonst stimmt alles, was über ihn hier gelegentlich steht – seit Jäcky gestorben ist, hat nie mehr jemand lustig die Tese geneckt, und sie merkt, wie sie das vermisst hat, es ist, als ob sich ein ganz kleiner Druck von ihrer Seele höbe. «Gut so», würde Jäcky sagen, «gut so, Tese.»

Und der Knoblauch, der ist in Windeseile geerntet und gezählt, und 12 Uhr ist es jetzt auch.

Wir verabschieden uns aufs Freundschaftlichste alle voneinander, und die Tese, die ja bereits so sehr für Rosa und Robi vom Gartenteam schwärmt, nimmt jetzt auch Philipp begeistert in ihr Herz auf. Und da hat es noch für so viele Platz, die sie nach und nach kennenlernt bei ortoloco –Gnossis, Fachleute und Erntegspänlis, und einmal mehr ist das einfach schön.

Und tschüss, bis bald, ihr alle, auf dem Fondlihof.