Hofbericht

Mein Fondlihof – Farbentraum und Wassermelonen

Tese und ihre Gspänli ernten bunt: Buschbohnen mit Philipp von Kastilien, Peperoni und Tomaten mit Soraya

Mein Fondlihof – Farbentraum und Wassermelonen
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Lange viereinhalb Wochen ist es her, seit die Tese von Biel zum letzten Mal bei ortoloco sein konnte. Heute aber ist es endlich wieder so weit. Schon am Bahnhof Dietikon Maienfeld trifft sie auf Freunde: Patrizia, die sich so gut mit allen Kleinmaschinen auf dem Fondlihof auskennt, ist auch bereits früh unterwegs und schwingt sich auf eines der ortoloco-Velos, die Michał instandhält.

Wir sind eine muntere Schar Erntehelfer*innen heute. Susanna und Dietrich kenne ich schon, dann sind Marianne und Bela da, und Natascha. Philipp wird uns bei der Ernte anleiten, er vertritt heute Robi. Obschon es nicht regnet, trägt Philipp seine schmucke schwarze Regen-Latzhose und rät uns sogleich, ebenfalls Regenhosen, aus dem ortoloco-Bestand, anzuziehen, und auch Stiefel, da wir als erstes in die Buschbohnen gehen würden, und dort sei es sehr nass. Wir befolgen Philipps Rat, und wenn wir in dem klobigen gelben Ölzeug auch nicht so schmuck aussehen wie Philipp, der seinem Namensvetter, Philipp I. von Kastilien (1478 – 1506), was dessen Beinamen angeht, wirklich in nichts nachsteht, sind wir jetzt doch gegen die Nässe in den Buschbohnen gerüstet. Und nun beginnt der farbenfrohe Reigen des Morgens! Violette und gelbe Buschbohnen warten auf uns. Möglichst sorgfältig sollen wir sie ernten, gibt uns Philipp auf den Weg, und nach Möglichkeit nicht Bohnenblüten und Blütenstände mit abreissen, wenn wir eine Bohne pflücken. Gleichzeitig gelte es darauf zu achten, dass man sich im Bohnengewimmel nicht verliere, wir sollten versuchen, zügig voranzukommen. Dem eifern wir nach, und tatsächlich, nach einer Stunde haben wir je das halbe Feld der violetten und das halbe Feld der gelben Buschbohnen säuberlich geerntet.

Und dann geht es weiter mit der Farbenpracht! Im Gemüsetunnel erwartet Soraya uns zur Peperoni Ernte. Diese steht noch ziemlich am Anfang – viele Peperoni sind noch grün. Aber einige färben sich doch bereits schön, in gelb und orange und rot. Wenn ein Drittel bis zur Hälfte der Färbung bereits da ist, dürfen wir die Peperoni schneiden. Auch Pikiermeisterin Andrea ist hier dabei und wir kommen gut voran. Weiter geht es dann mit Cherrytomaten, wieder in allen Farbschattierungen und Formen, runde rote, gelbe und orange längliche, rote mit Spitz, und dattelförmige, alle zuckersüss…Und dann noch die ganz speziellen, in ihrer vornehmen rosagrünlichen Blässe…

In der Pause sitzen wir im schönen Fondlihofgarten, bei Michałs feinen Gipfeli, bei der hofgemachten «Beerenkonfi» und den Wassermelonen, mit denen einen nun schon lange auf dem ortoloco-Signalkanal sinnigerweise der Mund wässrig gemacht worden war. Und tatsächlich, diese Wassermelonen finden nicht ihresgleichen. Man beisst hinein, wähnt sich mitten in einem köstlich aromatisierten Springbrunnen und hört Sphärenklänge.

Anschliessend ernten wir die Cherrytomaten fertig, auch Maschinenmeisterin Patrizia geht uns noch mit zur Hand.

Und schliesslich geht es zu den Zwiebeln hinauf. Das ist ein freudiges Wiedersehen! Am Jätfestival im Juni, vor neun Wochen, haben wir die beiden Zwiebelfelder von Unkraut befreit, da waren es zarte, dünne Pflänzchen. Jetzt präsentieren sie sich prahlerisch in voller farbiger Reife, von altrosa-bräunlich bis zu glänzend violett, und an Grösse nehmen sie es locker mit einer mittleren Grapefruit auf. Es macht Spass, sie zu ernten und sie liebevoll auf ein dünnes Netz zum Trocknen an die Sonne zu betten.

Dann bleibt noch etwas Zeit, bis es zwölf Uhr ist, und so führt uns Philipp noch zum Rüeblibeet.

«Vamos a quitar las malas hierbas de estas zanahorias », würde wohl sein Namensvetter Philipp von Kastilien sagen, und Philipp vom Fondlihof seinerseits sagt: «Schnappen wir uns dieses Feld und befreien wir die Rüebli von dem Unkraut.». Und das tun wir, um 12 Uhr 05 sind wir damit fertig und sehr zufrieden. Dann gehen wir zum Hof zurück, die Tese läuft neben Dietrich. «Warst du schon mal Ausfahren?», fragt Dietrich und die Tese verneint, denn sie kann gar nicht Autofahren. «Aber Beifahrerin könntest du sein», sagt Dietrich, « dann könntest du darüber auch mal einen Bericht schreiben!» Das ist eine gute Idee, Teses Schulfreund Rolf, der in der Koordination der Fahrten Verantwortung hat, hat sie auch schon dazu eingeladen. Ein Projekt für Herbst oder Winter, denkt die Tese und freut sich, und Sauerkraut einlegen helfen wäre dann auch mal etwas, davon hat nämlich Andrea erzählt, und wie schön ist das doch, ortoloco hat immer wieder etwas Neues bereit, erlaubt einem einen freudig gespannten Blick in die Zukunft.