Mein Fondlihof – Erntebegegnungen
Als Erntehelferin bei ortoloco hat man eine doppelte Freude: Man erntet die wunderbaren Früchte und Gemüse des Fondlihofs, und man lernt immer wieder die interessantesten Menschen kennen –samt lustiger Zufälle.

Die grosse Hitze ist für eine Weile verflogen, es ist nur 9 Grad, als die Tese heute früh aufsteht, um von Biel auf den Fondlihof zu reisen. Neugier und Spannung sind wieder gross – um wieviel die Kulturen auf dem Fondlihof wohl innerhalb einer Woche gewachsen sind, und was heute geerntet wird. Der übliche Gang zu den Feldern und den Gemüsetunneln vor dem Erntebeginn versetzt die Tese in Entzücken. So wunderbar, wie all die herrlichen Gemüse heranreifen, zu einer tollen Ernte! Verschiedene Sorten Auberginen und Zucchini, und eine fantastische Auswahl an Tomatensorten. Die Vorfreude ist gewaltig, diese dann schon in wenigen Wochen pflücken zu können!

Und dann also geht es aufs Feld – Schnittmangold schneiden, Zwiebeln stechen und Rüebli ausziehen. Heute ist eine stattliche Gruppe Erntehelfende dabei – Malik, der im Rahmen seines Zivildienstes 4 Wochen bei ortoloco verbringt, mehrere Mütter und Kinder, grössere und kleinere, und junge Praktikantinnen. Es schwirren verschiedene Sprachen durch die Luft – zürichdeutsch, berndeutsch, hochdeutsch, spanisch und englisch. Namentlich die Kinder sind perfekt mehrsprachig unterwegs.

Seit Mitte März habe ich auf den Feldern schon die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt. Bühnenbildnerinnen und Philosophiestudenten, Medienwissenschaftlerinnen, den jungen Neffen zweier spanischer Restaurantchefs, Lehrerinnen von der Schuleinheit Fondli, Umweltingenieure und Schulabgängerinnen, die vom Theatermachen träumen. Heute gilt es nach den Zwiebeln und Rüebli ein Meer violetter Buschbohnen zu ernten. Unzählige knackige prächtige Bohnen jeweils an einem einzigen prächtigen Strauch, man bleibt lange auf einem einzigen Laufmeter kleben und hat dadurch gute Gelegenheit, sich mit anderen Erntehelfenden zu unterhalten. Juliane, so stellt sich heraus, ist eine aus Leipzig stammende Ärztin, die in Zürich eine Gemeinschaftspraxis für Gynäkologie leitet, und ihr Sohn, ein sehr aufgeweckter, freundlicher Bub, hat sie begleitet, sehr tatkräftig bei der Rüebliernte. Mit dabei auch zwei kleinere Mädchen aus der Nähe von Chicago, die mit ihrer Mutter, einer Freundin von Juliane, in der Schweiz zu Besuch sind. Gewissenhaft ernten auch sie violette Bohnen – „nur die grossen pflücken“!

Während sich die Kisten stetig füllen, erzählt Juliane, dass ihre Tochter ein Austauschjahr in Amerika absolvieren wird. Und wer ist ihr Betreuer, seitens YFU (Youth For Understanding), zuständig für die Austauschprogramme der Schweiz in englischsprachigen Ländern? Markus, mein Nachbar im Erdgeschoss unseres Hauses! Ein toller Zufall, und nicht der erste: Im März habe ich Linda kennengelernt, Bühnenbildnerin und die Enkelin von Frau Rothenbühler, die nur zwei Häuser entfernt von meiner Mutter in einer Genossenschaftsanlage in Biel lebt.
Ja, die Welt ist klein! Aber da es sich um ortoloco und den Fondlihof handelt, und somit um eines der durchdachtesten und schönsten Beispiele solidarischer Landwirtschaft überhaupt, ist es eine grosse kleine Welt - eine offene und weite.
