Hofbericht

Mein Fondlihof – Die strahlende Wintersonne und die schöne Fondliwelt

Die Tese darf zurzeit wegen eines Cardifingers nicht ernten, ist aber für zwei Interviews auf den Fondlihof gekommen

Mein Fondlihof – Die strahlende Wintersonne und die schöne Fondliwelt
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Ja, der Cardifinger. Also, das war so: Kurz vor den Festtagen hatte die Tese einen entzündeten linken Zeigefinger, ging zur Apotheke, von der Apotheke schickte man sie zum Hausarzt, und der sandte sie unverzüglich weiter zum Handchirurgen. «Ja», sagte dieser sofort, «da ist was drunter, da müssen wir aufschneiden.» Das gefiel der Tese nicht so, aber sie schickte sich drein. Gutwillig liess sie sich den Finger betäuben, spürte dann von der ganzen Operation folglich nichts, hörte dann einfach das sachte Klopfen, als der Chirurg auf dem Knochen angelangt war. «Ja!», sagte der zufrieden, «da haben wir’s, drei ganz kleine Stacheln waren da drin.» «Ich weiss auch was für welche», prunkte die Tese freudig mit ihrem Fachwissen, «kleine Cardistacheln sind das!» Denn vor ein paar Wochen, am 12. November war bei Ortoloco Cardi geerntet worden, freilich grundsätzlich mit Handschuhen, die man durchaus hurtig anzog, wenn man die Riesenstacheln der Cardi sah, aber die Cardi haben eben auch ganz kleine, kaum bemerkbare Stacheln, und von denen hatten sich offensichtlich ein paar unter Teses Finger geschlichen, um die Entzündung voranzutreiben.
Die Tese erhielt eine schöne schwarze Armschlinge und einen schönen schwarzen Fingerschutz.

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Durch die schleichende Entzündung über die paar Wochen hin hatte sich dann auch der Fingernagel gewellt, und es kann sein, dass dieses Gewellte dann wieder zurückgeht, aber vielleicht nicht ganz völlig. Und so hat die Tese eben jetzt einen völlig unverwechselbaren, leicht gewellten Cardifingernagel, den sie auf Bitte und Verlangen auch herzeigt – völlig kostenlos.

Das Ärgerliche war jetzt nur, dass die Tese wegen des Cardifingers die Auflage hat, noch bis mindestens März nicht zum Ernten zu ortolocco zu gehen. Da hat sich jetzt mittlerweile natürlich schon gewaltig Heimweh nach dem Fondlihof angestaut. Aber jetzt ist etwas Gutes passiert! Die Kommunikationsgruppe hat die Tese gefragt, ob sie für den nächsten Jahresbericht – jedes Jahr erscheint ja ein ganz wunderbar aufgemachter und sehr schön gestalteter Jahresbericht von ortolocco! – ob also die Tese eine Anzahl Porträts schreiben würde, über besonders engagierte Gnossis, ausgewählt aus vielen, sehr vielen Genossenschafter*innen, die sich alle besonders bei ortoloco engagieren.

Und da hat die Tese jetzt die Möglichkeit zu einer sehr schönen, intensiven und besonderen neuen Beziehung zur Welt des Fondlihofs: Sie darf Interviews führen und Porträts schreiben. Zehn Porträts werden entstehen, und natürlich eben gibt es ja unzählig viel mehr als zehn Personen, die sich ganz besonders engagieren, aber aus den vielen wurden jetzt einfach mal zehn ausgewählt, angefragt und der Tese zugeführt. Christian Vetter hat das koordiniert, Christian, der wie die ganze Kommunikationsgruppe eine hervorragende Arbeit leistet.

Die meisten Interviews führt die Tese per Telefon, sieben davon sind schon absolviert, aber für zwei ist sie heute auf den Fondlihof gekommen.

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Die Freude, in Dietikon Maienweg anzukommen, in Schnee und Sonne, die ortoloco-Velos zu sehen, die Michał so gut instand hält, und dann schon von weitem die Felder, die Kirschenanlage, und schliesslich den Hof! Im Pausenraum sind gerade viele, die heute Morgen auf dem Hof arbeiten, versammelt – Rosa und Tina, und Kyro, der heute seinen ersten Tag als Praktikant hat, ortolocco aber schon als Zivildienstler kennenlernte - und die junge Familie ist da. Anuk und Marian, mit ihren bezaubernden Zwillingen Leonidas und Freya. Beide sind mächtig gross geworden, graben ihre frischen kleinen Zähnchen in saftige ortoloco-Äpfel, strahlen die Tese an, und Leonidas schnappt sich griffsicher das Kabel der Computermaus.

Dann führt die Tese ihre Interviews, mit Michał und mit Andrea. Michał, den manche Mikau nennen, andere Mika, und wieder andere Michael, und irgendwie stimmt es alles, denn Michał heisst er von seiner polnischen Mutter her, und eine serbische Version des Namens gibt es auch, vom Vater her. Hören tut Michał auf alles, ohnehin hat er immer ein Ohr für alle, die ihn rufen für irgendetwas, und das sind viele. Er führt die Recylingwerkstatt für die Velos, er gibt Finn Handreichungen, er sieht mit wachem Auge auf dem Hof alles und alle.

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Und dann Andrea, von Anfang an bei ortoloco dabei, und erzählen kann sie – so herzlich und klug, von Saatgut, klein wie der Fünftel einer Stecknadel, dem sie zu spriessendem Leben verhilft, von all den Genossenschafter*innen und wie sie alle auf ihre Weise so viel beitragen zum grossen Gemeinsamen von ortoloco,von verschiedenen Motivationen und grossen Freundschaften--- Und einmal mehr geht der Tese das Herz auf. Was sind das doch alles für wunderbare Menschen bei ortoloco. Sie flicken, reparieren und schweissen, sie pflanzen stundenlang winzige Pflänzchen aus und verhelfen ortolocco zu einer guten Ernte. Sie entwickeln Schnuppertage, betreuen die Webseite, stampfen Sauerkraut, machen die Terminplanung für Umbauten. Sie versehen Wochenenddienst, hängen Bilder auf und machen überall sauber, sie füttern Rinder, geben den Hühnern Wasser, versehen bei glühender Hitze und klirrender Kälte den Abpackdienst und entwickeln brillante IT-Lösungen für das my-Ortoloco-Tool. Sie stellen die wunderbaren Hofteemischungen her, sie fahren die Abotaschen in die Depots, und wenn am Schluss ein Cicorino übrigbleibt, weil er sich selbständig gemacht hatte und irgendwo aus einer Tasche gehüpft ist, dann fahren sie von Depot 3 zurück zu Depot 2 und schliesslich zu Depot 1, wo der Cicorino schliesslich seine heimatliche Abotasche wiederfindet.

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Ja, so wunderbare Menschen sind das, denkt die Tese, nachdem sie anschliessend an die Interviews, gesättigt von einem sagenhaft leckeren Essen, das Robi gekocht hat, wieder vom Hof geht.

Wie würde sich Jacky freuen, dass sie all diese Menschen, zu denen bei jedem Besuch auf dem Fondlihof neue hinzukommen, getroffen hat. Jacky ist Teses Ehemann, der vor 15 Monaten gestorben ist und eigentlich anders heisst, von dem aber sonst alles stimmt, was hier gelegentlich geschrieben steht. Und wie würde auch ihm ortoloco gefallen! Jacky ist als Bergbauernbub aufgewachsen, stammt aus dem mächtigen Trogtal im Berner Oberland und hat die Natur sein Leben lang geliebt. Ja, ortoloco würde Jacky gefallen, und der Fondlihof, der so vieles so freundlich und achtsam aufnimmt, er nimmt auch diesen Gedanken liebevoll auf.

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