Mein Fondlihof – Chriesi-Ernte
Tese hat ortoloco in ihr Herz geschlossen. Als begeisterte Erntehelferin nimmt sie die Anreise von Biel auf sich. Im Hof-Bericht teilt sie wertvolle Erlebnisse und sorgfältige Beobachtungen vom Fondlihof. Hier kommt die erste Ausgabe.

Es ist diese Woche mein zehntes Mal als Erntehelferin auf dem Fondlihof. Kirschenernte diesmal, ein saftiges, tiefrotes Paradies. Letzte Woche war es eine Welt in smaragdgrün gewesen – Kefen und Zuckererbsen, da brauchte es flinke, wendige Fingerchen. Und die Kefen- und Zuckererbsenernte, sie dauert noch üppig an, bei dem heissen sonnigen Wetter.
Für heute habe ich mich also wieder bei den Kirschen eingeschrieben. Wie immer werden wir sorgfältig angeleitet, von den Fachkräften – Finn ist es diesmal. Nur die ganz reifen Kirschen pflücken! Schon fast samten schwarz sollte das tiefe Rot schimmern. Die Augen offen halten und jede Frucht sorgfältig prüfen. Und den gefüllten Kratten dann ganz behutsam in die vorbereitete Kiste leeren – sorgfältig über die ausgestreckte Hand.

Finn macht es vor und zeigt dabei die ganzen Werte, die der Fondlihof vermittelt, und die ortoloco kennzeichnen: Warmherziger Umgang, Sachkundigkeit und eine grosse Liebe zu den Produkten, die angebaut und geerntet werden. Und wir pflücken, und wir riechen, wir schmecken und wir wissen: bessere Kirschen als unsere, vom Fondlihof, die gibt es weit und breit nirgends.
Ich bin die Tese und komme von Biel her auf den Fondlihof. Da stehe ich um 20 vor 5 auf, damit ich um 8 Uhr dann da bin. Das macht mir nichts aus, denn ich habe ortoloco ins Herz geschlossen, seit Rolf, ein Schulfreund und schon lange Genossenschafter, mir davon erzählt hat.
Ende Februar habe ich die schön aufgemachte Webseite von ortoloco besucht, und sogleich hat mir alles gefallen: Das klug durchdachte Projekt, die klare und freundliche Sprache, in der alles erklärt wird, und die verschiedenen Möglichkeiten, sich als Genossenschafterin einzubringen.

Am 17. März war ich zum ersten Mal da, um bei der Ernte zu helfen. Bitter kalt war es bei der Anreise, und ich stellte mir im Vorfeld die etwas bange Frage, die wohl viele kennen, die zum ersten Mal herkommen: Würde ich das können? Würde ich es alles richtig machen? Und würden mir jetzt heute, bei wenig mehr als 6 Grad in der kalten Erde beim Ernten nicht die Finger gefrieren?
Und da waren dann Robi, Ste und Nathalie, und sie verbreiteten sofort eine wärmende Atmosphäre. Schon mal durch die herzliche Art, mit der sie unser Grüppchen von Helferinnen und Helfern in Empfang nahmen. Und dann auch, weil sie uns direkt in den gedeckten, die Bise abhaltenden Gemüsetunnel führten – zum Schneiden von Rucola, Portulak und Schnittsalat. Und ich entdeckte, beim Schneiden und Ernten: ich kann es, und es macht sehr Freude, es gibt ein Glücksgefühl. Glück ist selten bei mir zurzeit. Ich habe im August vergangenen Jahres meinen Mann verloren und bin in grosser Trauer um ihn und unser gemeinsames schönes Leben, das ich verloren habe. Die Natur tut gut. Draussen arbeiten tut gut. Sich für ein sinnvolles Projekt einsetzen tut gut. Und so habe ich einen Genossenschaftsschein gezeichnet und bin nun Erntehelferin auf unserem Hof.
Ein Vierteljahr bin ich nun bereits dabei, und pflücke nun schon fast seit 4 Stunden Kirschen. Und gebe mir Mühe, wirklich nur ganz die Reifen zu nehmen, und die noch nicht völlig Tiefrotschwarzen der nächsten Kirschenerntegruppe zu überlassen. Denn auch das lehrt der Fondlihof ganz ruhig: Es gibt ein Morgen.