Mein Fondlihof – bunter Rüebköhli, und Kefen an Ort
Die Tese bestreitet eine üppige Ernte und hat ein beklemmendes Erlebnis

Also - zuerst gerade den Spoiler vorab, zur Beruhigung: «Beklemmendes Erlebnis» ist nur Spass, ha ha. Aufgelöst wird das dann später.
Zuerst trifft sich jetzt erstmal um acht Uhr das Ernteteam dieses Morgens: Von den Gnossis sind das neben der Tese heute nur noch zwei, Kim und Stephan. Deshalb ernten ausser Gemüsebäuerin Rosa mit dem schönen Zopf auch noch die Praktikumspersonen Teo und Soraya mit. Rosa mit dem schönen Zopf nennt die Tese Gemüsebäuerin Rosa zum einen so, um sie von Rosa aus der alten Donaumonarchie abzuheben, und zum andern, weil es stimmt!

Und genau diese Rosa mit dem schönen Zopf, die der Tese vor ein paar Wochen ihr Messertäschchen hergerichtet hat, schenkt ihr heute auch noch einen jener Messerklingenschärfer, wie sie alle vom Gemüseteam immer bei sich tragen, um unsere Messer zu schärfen. Und jetzt hat die Tese also auch noch ihren eigenen, ihren ganz privaten Messerklingenschärfer! Mächtig aufgekratzt darob geht sie mit den andern auf die Felder, wo erntereifes Gemüse in grosser Üppigkeit wartet: Schnittmangold, Pak Choi, Fenchel und Kohlrabi, den wir im Bernbiet Rüebköhli nennen.
Der Schnittmangold ist schnell geschnitten, und dazu unterhält sich die Tese mit Kim, der ihr gegenüber am Ernten ist. Kim hat Chemie studiert und ist jetzt Mitarbeiter in der Qualitätssicherung auf dem Gebiet der Radiopharmazie, wo es um die Diagnostik bei Krebserkrankungen geht. Das ist sehr interessant und beeindruckend.
Und schon geht es dann zum Pak Choi, der von Lumpaz aufmerksam bewacht wird, Rosas Hündin, die die Tese mittlerweile liebt, als wenn Lumpaz ihr gehören würde.


Dann gilt es ein erstes Feld Fenchel abzuernten, und anschliessend geht es zum Rüebköhli. Sehr schön sieht der aus, wenn er schlussendlich in violetten und grünlichweissen Kugeln in der Erntekiste liegt. Zuvor aber hat man seine brachiale Not mit ihm: Man muss ihn nämlich dem Boden richtiggehend entreissen. Er hat eine so starke störrische Wurzel, dass eigentlich eine Metallsäge geeignet wäre, oder am besten gleich eine Trennscheibe. Aber Rosa meint, dass es auch mit einer Gartenschere gehen sollte. Wir machen uns also mit der Schere ans Werk, und es funktioniert, wenn es auch Schwerarbeit bleibt. Weiter stellt die Tese fest, dass wenn man die Schere nicht weit genug am Griff hinten fasst, sie einen noch eine Hautfalte an der Hand einklemmen kann. Und dies also ist das beklemmende Erlebnis, von dem im Titel und eingangs die Rede war, und klar ist das eben nur Fake, denn beklemmende Erlebnisse gibt es bei ortoloco keine – nie und niemals.

Die Pause findet im blühenden Garten von ortoloco statt, wiederum mit feinen Gipfeli von Michał, der am Flohmarkt am Wochenende wieder drei Velos verkauft hat.
Nach der Pause würden wir dann noch einmal Fenchel ernten, sagt Rosa. 250 Stück brauche es insgesamt. Und wieviel fehlen jetzt noch? 170 Stück--- Ei der potz! Il y a du pain sur la planche, würden die Frankophonen in Teses Stadt Biel sagen. Auf deutsch: es hat viel Fenchel auf dem Gemüseacker.

Stephan geht an Teses Seite aufs Feld. Ihm sei aufgefallen, dass sie ein Veloshirt trage zum Ernten, sagt er, da sei sie sicher sportafin und könne ihm wohl sagen, wie das gestern Abend ausgegangen sei mit dem Final der Eishockey-WM? Ja, das kann die Tese, und sie schildert Stephan die silbrige Geschichte, mit ein paar mentalen Schluchzern. Darüber ist dann natürlich nicht gerade schon Gras gewachsen, bei der Ankunft auf dem Feld, aber vor dem allerprächtigsten Fenchel stehen wir, von dem dann schnell 170 Stück beisammen sind.
Und nun das Schlussbouquet! Kefen! Feine, lindgrüne, zarte, köstliche Kefen, sogar roh gegessen schon eine himmlische Delikatesse. Und sie ernten sich schnell! Im Hui hat man zwanzig, dreissig, fünfzig – hundert abgeknipst! Ja, wie im Zeitraffer geht das! Und das ist auch nicht das Problem. Sondern: man erntet zwar bitzschnell, aber sozusagen an Ort. Denn es hat so viele Kefen, dass man überhaupt nicht vorwärts kommt, sondern eben gleichsam auf der Stelle tritt, verharrend vor so einer einzigen üppigen, reich verzweigten Kefenpflanze. Aber das tut nichts. Es macht Spass, zu pflücken, und dazu unterhält sich die Tese mit Rosa und Stephan, und Teo lacht herüber, und schliesslich machen die drei Gnossis Stephan, Kim und Tese sogar noch fünfzehn Minuten Kefen-Überstunden, bevor sie sich schliesslich doch auf den Heimweg machen, nach einem weiteren spannenden ortoloco-Erntevormittag.
Bis bald wieder, und geniesst eure zarten Kefen in der Abotasche!
